5–15 Min. · Einzel / Gruppe · Instrumentenwahl

Das unnötigste Instrument der Welt

Jugendliche sprechen häufig leichter darüber, was sie ablehnen, peinlich oder albern finden, als über ihre Vorlieben. Das „unnötigste Instrument“ kann so überraschend schnell zu wichtigen persönlichen Themen führen.

Eine kleine Einstiegsfrage aus der Musiktherapie:

Alle Instrumente liegen sichtbar im Raum.

Dann stelle ich nur eine einzige Aufgabe:

„Suche einmal das unnötigste Instrument der Welt.“

Erstaunlicherweise entstehen daraus häufig deutlich lebendigere Gespräche als nach der klassischen Frage:

„Welches Instrument gefällt dir?“

Über Ablehnung lässt sich manchmal leichter sprechen

Jugendliche erzählen häufig lieber, was sie ablehnen, peinlich finden oder einfach nur albern finden.

Und manchmal verrät das fast genauso viel wie ihre Vorlieben.

Da wird die Triangel zur „größten Zeitverschwendung der Musikgeschichte“.

Die Blockflöte wird aussortiert, weil sie „nach Grundschule klingt“.

Das Glockenspiel sei „viel zu lieb“.

Oder jemand zeigt auf das große Monochord und fragt:

„Wer braucht denn so etwas?“

Die Antworten müssen zunächst weder besonders ernst noch tiefgründig sein. Gerade Übertreibungen, abwertende Kommentare und absurde Begründungen können die Situation leicht und spielerisch machen.

Es gibt keine richtige Wahl – und vermutlich auch kein objektiv unnötigstes Instrument.

Wenn die Begründung interessanter wird als die Wahl

Spannend wird es, wenn man nachfragt:

„Was genau macht dieses Instrument so unnötig?“

Plötzlich geht es möglicherweise nicht mehr nur um Instrumente.

Sondern um Lautstärke und Ruhe.

Um Auffallen oder Unsichtbarsein.

Um Coolness.

Um Erinnerungen.

Um Scham.

Um Identität.

Um Klischees.

Ein Instrument kann „zu lieb“, „zu kindisch“, „zu laut“, „zu kompliziert“ oder „zu peinlich“ sein.

In solchen Beschreibungen tauchen manchmal Maßstäbe auf, die auch außerhalb der Musik eine Rolle spielen:

Wie darf man wirken?

Was sollte man können?

Was ist cool genug?

Was darf auf keinen Fall zu einem gehören?

Das Instrument als Stellvertreter

Das Instrument wird dabei zu einem Stellvertreter für etwas, das Jugendliche häufig leichter beschreiben können als sich selbst.

Es ist einfacher zu sagen:

„Die Triangel ist lächerlich“,

als:

„Ich habe Angst, selbst lächerlich zu wirken.“

Es ist leichter, das Glockenspiel als „zu harmlos“ abzulehnen, als über die eigene Verletzlichkeit zu sprechen.

Eine solche Verbindung muss nicht immer bestehen. Und sie sollte nicht vorschnell von der therapeutischen Fachkraft hergestellt werden.

Aber die Wahl kann einen Gesprächsraum öffnen, in dem persönliche Bedeutungen allmählich entstehen dürfen.

Mögliche Nachfragen

  • Was genau ist an diesem Instrument unnötig?
  • Wer würde so ein Instrument freiwillig spielen?
  • In welcher Situation wäre es besonders peinlich?
  • Gibt es jemanden, zu dem dieses Instrument passen würde?
  • Was müsste sich verändern, damit es doch interessant wird?
  • Welches Instrument ist das genaue Gegenteil davon?
  • Welches Instrument würde das unnötigste Instrument vermutlich selbst auswählen?
  • Kann man mit ihm absichtlich die unnötigste Musik der Welt spielen?

Die letzte Frage führt häufig vom Gespräch unmittelbar ins musikalische Handeln.

Eine mögliche Weiterführung

Das ausgewählte Instrument kann anschließend tatsächlich gespielt werden.

Die Aufgabe könnte lauten:

„Spiele damit etwas vollkommen Überflüssiges.“

Oder:

„Erfinde eine Situation, in der ausgerechnet dieses Instrument unverzichtbar wird.“

Damit kann sich die Perspektive verändern. Ein abgelehntes Instrument wird vielleicht neugierig untersucht, ironisch inszeniert oder überraschend wirkungsvoll eingesetzt.

Es muss dadurch nicht plötzlich gefallen.

Aber es erhält die Möglichkeit, noch etwas anderes zu werden als das, wofür es zuerst gehalten wurde.

Mit Abneigung beginnen dürfen

Therapeutische Gespräche beginnen nicht immer mit Zustimmung, Interesse oder einer offen formulierten Sehnsucht.

Manchmal beginnen sie mit:

„Das ist bescheuert.“

„Braucht kein Mensch.“

„Würde ich niemals spielen.“

Wenn diese Ablehnung nicht sofort korrigiert oder pädagogisch relativiert wird, kann sie ein erstaunlich guter Ausgangspunkt sein.

Manchmal führt ausgerechnet die Frage nach dem „unnötigsten Instrument der Welt“ mitten hinein in die Themen, die wirklich wichtig sind.

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